„Das Abenteuer wartet – vor Deiner Haustüre“ – Erlebnispädagogisches Projektseminar

Shepherds
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Erstellt am: 11. September 2013, 09:11 Uhr
Letzte größere Änderung am: 11. September 2013, 09:14 Uhr
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Universität Augsburg in Augsburg
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Kurzbeschreibung

Wie kann man Kinder für Wald und Natur begeistern, und somit für die Abenteuer vor ihrer Haustüre? Und wie wird ein Stadtwald zu einem Ort voller Abenteuer? Das stellte die Aufgabe für die Teilnehmenden des Erlebnispädagogik-Seminars „Erlebnispädagogische Praxiskompetenzen – Handlungsfeld Wald und Natur“ der Universität Augsburg dar: Sie sollten einen erlebnispädagogischen Nachmittag für ein Jugendzentrum konzeptionieren und durchführen, unter Rückgriff auf die zuvor im Seminar erworbenen Kompetenzen und Erfahrungen.


Situation / Kontext

Nicht nur in Beruf und Schule halten wir uns vor allem
Drinnen auf, auch das Freizeitverhalten spielt sich meist hinter den Haustüren ab, insbesondere vor dem Fernseher. Zuletzt
belegte dies erneut der Freizeit-Monitor 2013, wozu 3000 Personen ab 14 Jahren
in Deutschland befragt wurden (vgl. Reinhardt 2013). Dass dies auch bei Kindern
nicht viel anders ist zeigt die KIM-Studie 2012, welche den Medienumgang von
6-13-jährigen erfasst: Hier rangiert ein Interesse für die Natur weit hinter
demjenigen für beispielsweise diverse Medien wie Fernsehen oder Spielkonsolen
(vgl. Medienpädagogischer Forschungsverbund Südwest 2013, S.7). In dieser
zunehmenden Entfremdung von Menschen in Naturräumen, wie sie die Studien
exemplarisch verdeutlichen, findet das Modul zu Wald und Natur seine
Begründung, welches ein Teil des erlebnispädagogischen Studienangebots an der
Universität Augsburg darstellt. Die Erlebnispädagogik an der Universität Augsburg
wird dabei von der Kooperation des Lehrstuhls für Sportpädagogik (Prof. Dr.
Hans-Peter Brandl-Bredenbeck) und dem Lehrstuhl für Pädagogik (Prof. Dr. Eva
Matthes) getragen. Davon ausgehend, dass Natur und deren Wirkung ein
elementarer Bestandteil zur Entwicklung und Gesunderhaltung von Personen
jeglichen Alters darstellt, sollen die Studierenden der Erlebnispädagogik in
diesem Handlungsfeld verschiedene erlebnispädagogische Elemente in und mit der Natur
kennenlernen, selbst planen und erproben.

Da man Nachbarschaften ja bekanntlich pflegen soll,
kooperierte das Seminar dieses Semester dabei mit dem Jugendzentrum „Kosmos“,
gelegen im Universitätsviertel Augsburgs. Absicht war, voneinander zu
profitieren: Die Seminarteilnehmer hatten die Chance, für einen tatsächlichen
Auftraggeber tätig zu werden und ihr zuvor erworbenes Wissen in die
Ausarbeitung eines Konzepts mit einer Gruppe von Kindern einfließen zu lassen,
das Jugendzentrum bekam für ihre Besucher kostenfrei eine weitere Bereicherung
ihres vielfältigen Programms geboten, das aufzeigt, wie der nahegelegene Siebentischwald
in erlebnispädagogischer Hinsicht genutzt werden kann. Dieser weitläufige
Stadtwald eignete sich dabei in besonderer Weise, da er einerseits direkt an
das Wohngebiet der Jugendzentrumsbesucher angrenzt und somit ihrer Lebenswelt
angehört - beziehungsweise angehören könnte - und zugleich, da somit keine
zusätzlichen Kosten entstanden, die sich so einige der Besucher nicht hätten
leisten können.

Der Kontakt zwischen den Kooperationspartnern wurde dabei
durch die Initiative Bildung durch Verantwortung initiiert. Beteiligt waren
einerseits von Seiten des Jugendzentrums Robert Mailer und Isolde Fischer,
andererseits die Dozentinnen Dr. Barbara Bous sowie Theresa Riechert vom
Lehrstuhl für Pädagogik (Prof. Dr. Eva Matthes).

Aktion

Im Zuge des Seminars planten die Studierenden einen
Nachmittag, den sie mit „Abenteuer im Siebentischwald“ titulierten. Konkret
entschieden sie sich für eine Orientierung an den vier Elementen Feuer, Wasser,
Luft und Erde, wobei zu jedem Element eine Station konzipiert wurde, die je
eine Facette erlebnispädagogischen Handelns umsetzte. Dabei reichte das
Abenteuer von kreativen Herausforderungen wie dem Bootsbau aus Naturmaterialien
(Wasser), über sensibilisierende Naturerfahrungsübungen (Erde) und Aufgaben
rund um das gemeinsame Abschlussgrillen (Feuer) bis hin zur Erprobung der
eigenen motorischen Fähigkeiten und des gegenseitigen Vertrauens durch mobile
Niedrigseilelemente (Luft). Zudem wurde ein Schlechtwetterprogramm durchdacht,
das in den Räumlichkeiten des Jugendzentrums (und der angrenzenden Sporthalle)
hätte durchgeführt werden können. Die Zielgruppe waren Kinder im Alter von acht
bis zwölf Jahren.

Doch die Durchführung des Waldtages selbst bildete natürlich
nur einen Teil des Service-Learning-Seminars, im Vorfeld mussten zunächst die
nötigen Kompetenzen erworben und eine Vielzahl an Absprachen getroffen werden.
Hier ein grober zeitlicher Überblick in Stichpunkten:

·        
Anfang
März 2013
: Austausch über eine etwaige Kooperation und Ausloten der
jeweiligen Möglichkeiten und Interessen durch die Jugendzentrums- und die
Seminarleitung

·        
Ende April
2013
: Vorbesprechung des Seminars und Vorstellen der Kooperationsidee, die
Studierenden entscheiden sich nach Vorstellung der vereinbarten Eckdaten für
die Zusammenarbeit mit dem Jugendzentrum – die Kooperation steht somit
endgültig. Zudem wird das fünftägige Exkursionsseminar geplant, welches die
inhaltliche Grundlage darstellt.

·        
Anfang Mai
2013
: Bei diesem Treffen in den Räumlichkeiten des Jugendzentrums konnte
man sich gegenseitig, wie auch Ausstattung, Konzept und Erwartungen des
Jugendzentrums kennenlernen. Es war nicht nur Raum für Fragen, sondern auch die
einzelnen Verpflichtungen wurden konkretisiert: Wann muss der Werbetext stehen
(Aufgabe der Studierenden), wie erfolgt die Bewerbung (übernimmt das
Jugendzentrum), was sollte bei der Konzeption berücksichtigt werden, …?

·        
Anfang
Juni 2013:
Exkursionsseminar ins Allgäu. Während dieses fünftägigen Aufenthalts
auf einer Selbstversorgerhütte bekamen die Studierenden die nötigen Grundlagen
über Wald und Natur als erlebnispädagogisches Handlungsfeld vermittelt, welche
ihre grundlegenden erlebnispädagogischen Kenntnisse erweiterten und erprobten
vielfältige Aktionsformen in der Rolle als Teilnehmer selbst. Dabei erhielten
die Seminarteilnehmer auch Zeit, um das Erfahrene in ihre eigene Konzeption
einfließen zu lassen und somit die Planung voranzutreiben. Am Ende der
Exkursion stand somit das grundsätzliche Konzept fest und die Zuständigkeiten
waren verteilt.

·        
Mitte Juni
2013:
Letztes Planungstreffen vor der Aktion in den Räumlichkeiten des
Jugendzentrums, Durchsprechen der Schlechtwettervariante und Festlegen der
Örtlichkeiten für die Durchführung im Siebentischwald.

·        
Ende Juni
2013:
Durchführung des Waldprojektes (siehe oben), nach Verabschiedung der
Kinder nach dem gemeinsamen Grillen Nachbesprechung mit den Studierenden.

·        
Juli 2013:
Nachtreffen zur Bilanzierung der Kooperation durch die Jugendzentrumsleitung
und die Dozentinnen und erste Vereinbarungen für weitere gemeinsame Service-Learning-Projekte.

Bilanz

Diese Aktion stellt den Ausgangspunkt einer Kooperation dar,
die im folgenden Jahr fortgesetzt und gegebenenfalls auch ausgeweitet werden
soll. Als Zwischenbilanz lässt sich festhalten, dass sich der grundsätzliche
Ansatz durchaus bewährt hat, von der Kooperation profitierten alle Beteiligten.
Den Kindern hat es gefallen und den Wald vor ihrer Haustüre hatten sie
zumindest in dieser Art und Weise noch nicht kennengelernt, die Studierenden
erlebten einen gesamten Planungsverlauf, der erwartungsgemäß nicht ohne
Schwierigkeiten ablief und konnten die erworbenen Kompetenzen zunächst in ein
eigenes Konzept einfließen lassen und dieses dann wiederum auch umsetzen und
reflektieren. Auch von ihrer Seite kamen positive Rückmeldungen. Und zudem
waren für die Jugendzentrumsleitung und die Dozentinnen die jeweils anderen
Perspektiven und Arbeitskontexte sehr interessant und bereichernd.

Im Rückblick offenbaren sich natürlich auch
Herausforderungen. Die unseres Erachtens bedeutsamste, da grundlegendste stellt
dabei die zeitliche Koordination mit ihren Auswirkungen auf den
Beteiligungsspielraum der Studierenden dar. Gerade weil dies sicherlich auch
für ähnliche, insbesondere universitäre Projekte relevant sein könnte, soll
dieser Aspekt etwas näher ausgeführt werden. Grundsätzlich bietet ein Semester
wenig Zeit um die inhaltlichen Grundlagen zu schaffen, genug Raum zur eigenen
Konzeption zu bieten und zudem Umsetzung und Reflexion einen angemessenen Platz
einzuräumen. Zugleich ist generell eine weitgehende Beteiligung der
Studierenden an Entscheidungen wünschenswert und sinnvoll, schon allein damit
eine motivationale Basis geschaffen wird und sich nicht das Gefühl einstellt,
dass man lediglich festgelegte Vereinbarungen umzusetzen hat. Und dennoch braucht
gerade ein hohes Maß an Partizipationsgelegenheiten seitens der Studierenden
Zeit, eine Mangelware bei einsemestrigen Projekten. Es wird bei der künftigen
Kooperation sicherlich darum gehen eine Balance zwischen Rahmensetzungen, die
zwischen Jugendzentrum und Seminarleitung bereits vor Semesterbeginn vereinbart
werden, einerseits und verbleibende Entscheidungsspielräumen für die Seminarteilnehmer
andererseits zu finden. Dieses Jahr konnten die Studierenden zu Semesterbeginn
selbst entscheiden ob sie die Kooperation eingehen wollen, wie auch die gesamte
Ausgestaltung des Aktionstages. Da jedoch organisatorische Dinge wie
beispielsweise die Bewerbung des Projekts mehr Zeit erfordern, wird nächstes
Jahr diese grundlegende Entscheidung wie auch eine erste thematische Festlegung
bereits getroffen sein. Dadurch soll eine geringe Teilnehmeranzahl vermieden
werden, wie sie dieses Jahr nicht zuletzt wegen der knappen Bewerbungszeit der
Fall war. Auch soll dadurch mehr Zeit für eine Nachbereitung der Durchführung
mit den Studierenden geschaffen werden, die diesmal – ebenfalls aus zeitlichen
Gründen – zu kurz kam. Zudem werden zukünftig noch mehr Absprachen direkt zwischen
thematisch eingeteilten Studierendengruppen und dem Jugendzentrum als
Auftraggeber erfolgen. Dies verschafft einerseits dem Jugendzentrum die
Möglichkeit mit einzelnen Studierenden in intensiveren Austausch zu treten und
andererseits könnte dadurch das Maß an Verantwortungsübernahme auf Seiten der
Studierenden weiter gefördert werden.

Das Abenteuer vor der eigenen Haustüre wartete also nicht
nur auf die Kinder, sondern auf alle Mitwirkenden. Da es sich trotz mancher Schwierigkeiten
gelohnt hat, wird der Siebentischwald wohl auch nächstes Jahr wieder ein
Handlungsfeld für die Studierenden der Augsburger Erlebnispädagogik sein.


Literatur

Medienpädagogischer Forschungsverbund Südwest (2013):
KIM-Studie 2012. Kinder + Medien, Computer + Internet. Basisuntersuchung zum
Medienumgang 6- bis 13-Jähriger in Deutschland. Im Internet unter: http://www.mpfs.de/fileadmin/KIM-pdf12/KIM_2012.pdf.
Zuletzt aufgerufen am 1.09.2013.

Reinhardt, Ulrich (2013): Freizeit-Monitor 2013. Stiftung
für Zukunftsfragen. Im Internet unter: http://www.freizeitmonitor.de/index.php?eID=tx_nawsecuredl&u=8191&g=32&file=fileadmin/user_upload_secured/freizeitmonitor/2013/Stiftung-fuer-Zukunftsfragen_Freizeit-Monitor-2013.pdf&t=1378194949&hash=5f869dc6edec95b3a1bda4b946369af851c996df.
Zuletzt aufgerufen am 1.09.2013.

Weiterführende
Informationen:

Erlebnispädagogik an der Universität Augsburg: http://www.philso.uni-augsburg.de/de/lehrstuehle/paedagogik/paed1/Wahlpflichtmodul_Erlebnisp__dagogik/.
Zuletzt aufgerufen am 2.09.2013.

Initiative Bildung durch Verantwortung: https://www.uni-augsburg.de/projekte/bildung-durch-verantwortung/.
Zuletzt aufgerufen am 1.09.2013.

Jugendzentrum Kosmos: http://www.sjr-a.de/jugendhaeuser-einrichtungen/kosmos.
Zuletzt aufgerufen am 2.09.2013.

Klein, Marieke; Bous, Barbara; Lutz, Mandy; Scholz, Martin
(2012): Erlebnispädagogik im Studium. Wahlpflichtmodul und freier Bereich an
der Universität Augsburg. In: e& l – erleben und lernen. Internationale
Zeitschrift für handlungsorientiertes Lernen. 20. Jahrgang, Heft 6. Augsburg,
S.6-8.


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