Heimat! Neue Heimat? Auf Spurensuche im Nordviertel

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Erstellt am: 13. Juni 2013, 17:00 Uhr
Letzte größere Änderung am: 13. Juni 2013, 17:00 Uhr
Durchgeführt in
Universität Duisburg-Essen in Essen und UNIAKTIV
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Kurzbeschreibung

Im Zentrum des Seminars stehen die Untersuchung sowie die innovative Veränderung des Essener Nordviertels. Der vielschichtige Begriff „Heimat“ sollte aus unterschiedlichen Perspektiven beleuchtet werden, u.a. mit Hilfe von folgenden Fragen: „Was versteht man unter Heimat? Wie heimisch ist der Stadtteil für seine Bewohner? Woran lässt sich Heimat festmachen?“. Hierfür wurden psychologische, kulturwissenschaftliche, philosophische, künstlerische und städtebauliche Sichtweisen zusammengeführt und ließen somit einen breiten Blick zu.

Situation / Kontext

„Design Thinking“ ist eine aus Amerika stammende Methode, bei der sich Menschen verschiedener Fachrichtungen gemeinsam daran setzen, soziale und benutzerfreundliche Ideen neu zu denken und praktisch zu erproben. Die Potsdamer Innovationsschule, wie sie sich selbst nennt, hat das Konzept aufgegriffen und bildet seit 2007 in einem Zusatzstudium im Design Thinking aus.

Der Workshop an der UDE folgt diesem Ansatz: So kommen sowohl die Studierende in den Arbeitsgruppen als auch ihre Dozenten aus unterschiedlichen Disziplinen. Gemeinsam begeben sie sich auf Spurensuche im Essener Nordviertel und entwickeln z.B. Verbesserungen der Infrastruktur oder auch Maßnahmen, durch die sich die Bewohner stärker mit ihrem Stadtteil identifizieren.

Der Gründer und Leiter der Potsdamer „School for Design Thinking“, Professor Ulrich Weinberg, und sein Mitarbeiter Simon Blake konnten für den ersten der insgesamt vier Workshops als Experten gewonnen werden. Am 5. November 2009 führten sie von 9 bis 16 Uhr im Essener Red Dot Design Museum (Zeche Zollverein, Gelsenkirchener
Straße 181, 45309 Essen.) in das Design Thinking ein.

Das
Seminar wurde in Kooperation mit dem Essener Forum für Baukommunikation sowie
dem Büro für Stadtentwicklung der Stadt Essen, vom Institut für Stadtplanung
und Städtebau (ISS) der Universität Duisburg-Essen und den UDE-Lehrstühlen
Britische Kultur- und Literaturwissenschaft sowie Kunstpädagogik organisiert. An der Veranstaltung waren folgende Personen beteiligt:

Kulturwissenschaft Prof. Dr. J.M. Gurr; Stadtsoziologie Prof. Dr. D. Hassenpflug; Kunst/Kunstwissenschaft Prof. Dr. P.U. Hein / P. Liffers; Stadtplanung/Städtebau Prof. Dr. J.A. Schmidt; Gastdozent: Prof. U. Weinberg (HPI School of
Design Thinking) und Research Assistant Simon Blake







Aktion

In dem interdisziplinären
Lehrforschungsprojekt „Heimat! Neue Heimat?“ soll das sozial schwache Nordviertel, das durch einen überdurchschnittlichen Anteil an Sozialhilfeempfängern und Arbeitslosen ausgestattet ist, auf konkrete Fragestellungen untersucht werden: besteht eine Identifikation der Anwohner mit ihrem Stadtteil? Wie sieht diese aus? Wie ist der Stadtteil räumlich gestaltet? Wie kann das Nordviertel mit „Heimat“ verbunden werden?

Die Studierenden konkretisierten dies mit der intensiven Auseinandersetzung mit dem Zielgebiet und den dort Lebenden bzw. sich aufhaltenden Menschen. Als Ergebnisse ihrer Arbeit präsentierten sie in interdisziplinären Teams verschiedene Projekte, die innovative Handlungskonzepte bzw. Einrichtungen beinhalteten.

Entlang der Design Thinking Methode wurden folgende Schritte absolviert:

  • Die Studierenden erhielten zunächst eine allgemeine Einführung in die
    Methode des Design Thinkings sowie einen Einblick in deren Hintergründe
    und Entstehung
  • Der erste Punkt der Design Thinking Methode zielt auf das Verstehen des Problemfeldes ab (Understand). Die Studierenden erhielten Hintergrundinformationen zu dem Zielgebiet aus unterschiedlichen Perspektiven der beteiligten Lehrkräfte und Einrichtungen.
  • Bei einer Begehung des Nordviertels erfolgte die umfassende, vorurteilsfreie Auseinandersetzung mit der Zielgruppe durch Beobachten, Befragen und Interagieren. Die Studierenden erfassten somit die Einstellungen und Bedürfnisse der Bewohnerschaft und Besucher des Nordviertels vor Ort.
  • In einem dritten Schritt (Point-of-view) wurden die gesammelten Informationen in den jeweiligen Gruppen zusammengetragen und auf Meta-Planwänden visualisiert. Die Studierenden identifizierten darauf beruhend ein gemeinsames Muster und kommunizierten dieses den übrigen Seminarteilnehmern.
  • Im Folgeschritt (Ideate) generierten die einzelnen Gruppen möglichst viele Ideen, die die Grundlage zur Entwicklung von innovativen Einrichtungen im Nordviertel bieten sollten. (Die Ideen wurden auf Post Ist festgehalten) Nach Strukturierung der Ideenvorschläge markierten sie mit farblichen Punkten die vielversprechendsten Ideen.
  • Die ausgewählten Ideen wurden des Weiteren anhand von Prototypen in Form von Modellen ausprobiert (Prototype).
  • Die angefertigten Prototypen wurden schließlich der Zielgruppe im Nordviertel vorgeführt. In einem offenen Dialog erhielten die Studiereden so Feedback, welches ihnen weitere Ansatzpunkte für Verbesserungen und Alternativen eröffnete.
  • Zuletzt präsentierten die Studierenden ihre verschiedenen Projekte, die innovative Handlungskonzepte bzw. Einrichtungen beispielsweise unter dem Titel „Kreativwerkstatt für Kinder und Jugendliche“ beinhalteten. Aspekte liegen dabei auch in der Attraktivität, Umsetzbarkeit und Wirtschaftlichkeit der Ideen.



Bilanz

Das Seminar „Heimat! Neue Heimat?“ hat die Studierenden auf eine Spurensuche ins Essener Nordviertel geführt. Nicht nur für sie, auch für die übrigen Beteiligten war dies eine besondere Erfahrung. Lehrende konnten erstmalig an der Durchführung der innovativen Design-Thinking Methode an der Universität Duisburg-Essen teilnehmen. Ihre Aufgabe lag in der Moderation der verschiedenen Arbeitsgruppen, wodurch es weniger darum ging den Studierenden ihre Lernziele vorzugeben, sondern vielmehr um deren gemeinsame Entwicklung und Reflexion.

Von außen betrachtet konnte man deutlich eine dynamische Entwicklung der einzelnen interdisziplinären Teams wahrnehmen. Die Teilnehmenden waren sehr involviert und engagiert in ihrem Tun. Es gab kaum Berührungsängste, beispielsweise waren Studierende in Gruppen sofort bereit Befragungen von Zielpersonen durchzuführen. Weiterhin begleiteten sie sie sogar bis nach Hause für ein persönliches Interview. Die Studierenden haben ihre Projekte mit viel Motivation mitgetragen, als Lehrende ist es wichtig an kritischen Momenten einzulenken, sodass eine nicht Umsetzbarkeit bzw. zu umfangreiche Gestaltungen vermieden werden können.

Das Seminar bietet Lehrenden die Möglichkeit über ihren fachlichen Horizont zu blicken. Dies geschieht zum einen durch den Austausch mit Personen anderer Fakultäten und Einrichtungen und des Weiteren durch die Betrachtung bekannter Thematiken aus unterschiedlichen Perspektiven. Die Studierenden wurden speziell im "Heimat-"Seminar auf Herausforderungen "vor ihrer Haustür" aufmerksam gemacht und so gleichzeitig für soziale, psychologische, kulturwissenschaftliche, philosophische, künstlerische und städtebauliche Aspekte sensibilisiert.

Für die interdisziplinäre Arbeit wurden 4 Workshop-Tage geplant: 5.11.2009, 10.12.2009, 14.01.2010, 18.02.2010, außerdem trafen die Studierenden sich weiterhin außerhalb in ihren Gruppen.

Weitere Informationen und Materialien zum Seminar:Auf Basis des Seminars wurde das Projekt Connect - Gemeinsam Forschen und Entwickeln.



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